Wer führt

Heute ist es mal wieder an der Zeit, dass ich etwas schreibe. In den letzten drei Wochen hatte ich das Probelm, dass meine Figuren etwas anderes wollten als ich ursprünglich vorgesehen hatte. Da ihr Wunsch sich noch innerhalb der Handung der Geschichte bewegte, habe ich ihnen nachgegeben.
Einen Artikel dazu gibt’s jetzt:

Wer übernimmt die Führung?

Ein Grundsatz lautet:
Der, wer fragt führt.

Gilt das auch für Schreiberlinge?
Heißt es dann, wer schreibt führt?

Jeder Schreibende kennt das, du bestimmt auch. Du sitzt da und schreibst und schreibst. Plötzlich hast du das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Aber du kommst nicht drauf.
Du bemerkst irgendwie nur, dass deine Figuren nicht so wollen wie du.

Was tun?

Dann fragst du dich, natürlich nur, nachdem du alle anderen Möglichkeiten zuvor alle ausgeschlossen hast, ob du die Figuren laufen lassen, und ihnen einfach folgen sollst, wohin die Reise geht, oder ob du eingreifen sollst, denn schließlich sitzt dir ja das Handwerk, und alles, was es dir zum Thema Schreiben beigebracht hat, im Nacken und drängt dich, in des Geschehen einzugreifen und dem bunten Treiben der Charaktere einhalt zu gebieten. Schließlich geht dieses nicht, jenes darf aber, laut Plotregeln oder dem Wissen über Figurenzeichnung, ebenfalls nicht sein.

Die Debatte

Ich denke, dass diese Debatte so alt ist wie das Schreibhandwerk selbst.

Was tun?

Du sitzt da, schilderst vielleicht anderen Schreiberlingen dein Problem und fragst was sie in einer vergleichbaren Situation unternehmen würden. Vielleicht wirfst du deinen Text aber auch, weil du an dir zweifelst, in den Papierkorb, den virtuellen natürlich, nicht den physischen. Aber letzteres könnte sich unter Umständen später als fatale Fehlentscheidung herausstellen.

Also: Was geht dann?

Du könntest dich aber auch einfach darauf einlassenund deinen Figuren einfach als stiller Beobachter folgen. Schließlich macht Voyör-Sein ja auch Spaß und führt zu ganz neuen Erkenntnissen. Du könntest ihnen dann sämtliche Entscheidungen überlassen, selbst dann, wenn der Text droht, auseinander zu fallen, weil die Figuren sich gegenseitig zerfleischen.

Macht nichts. Wie oft mischt du dich im realen Leben ein, wenn sich Andere neben dir zerfleischen?

Du siehst aus sicherer Entfernung zu.
Halt: Kein Vorwurf!)

Fazit:

Warum dann nicht deinen Figuren aus sicherer Entfernung zusehen und alles aufschreiben?

Ach: Eins noch!

In diesem Fall ist das Ausspionieren oder Observieren völlig legitim, ja sogar erwünscht.

Mit den besten Grüßen von Sandrina, aber vor allem von Simon, René, Lukas und Stefan

Elke Irimia

Die Figuren einer Story

I. Die Figuren
Damit Figuren besonders lebendig sind, sollten sie dreidimensional sein. Sie sollten eine physische, psychologische und eine soziologische Dimension haben.
a) Die Phasische Dimension:
Name:

II. Geschlecht

III. Alter geburtsdatum

IV. Herkunft

V. Besondere physische Merkmale (Narben/Zeichen etc.)

VI Figur

VII. Haarfarbe/form

VIII. körperlicher Zustand

IX. Größe

X. Augenfarbe

XI. Gesichtsform

b) die soziologische Dimension:

I. Gesellschaftsschicht

 

II. Stellung in der Gemeinschaft / soziales Umfeld

III. Familie

3.1 Vater

3.2 Mutter

3.3 Geschwister

IV. Lebensumstände / Lebensstil

V. Beruf

VI. Religion / spirituelle Ausrichtung

VII. Partnerbeziehung

VIII. Kleidung

IX. Freunde

X. Wohnung / Wohnumgebung

c) die psychische Dimension:

I. Want und Need

1.1 Want

1.2 Need

II. Kindheitstrauma

III. Haltung gegenüber dem Leben

IV. innere Widersprüche

V. Selbstwahrnehmung – Fremdwahrnehmung
6.1 Selbstwahrnehmung
6.2 Fremdwahrnehmung

VI. wahrer Charakter (= wie reagiert die Figur unter Druck?)

 

VII. innere Stärken

VIII. Charakterschwäche

IX. Achillesferse (= der wunde Punkt / die verletzliche Stelle)

 

X. größtes emotionales Bedürfnis

 

XI. wichtigste Werte

 

XII. Moral

 

XIII. Sexualität

 

XIV. Ambitionen (Leistung, Erfolg, Anerkennung)

 

XV. Temperament

XVI. Süchte

 

XVII. intellektuelle Qualitäten

 

XVIII. Phobien/Ängste/Abneigungen

 

18.1 Phobien

18.2 Ängste

18.3 Abneigungen

XIX. Hobbys Interessen

19.1 Hobbys

19.2 Interessen

XX. Ticks

XXI. Motto

XXII. Grundangst

XXIII. Archetypus nach Jung

XXIV. Persönlichkeitsty

Ich habe den Ergeitz meine Figuren so zu erstellen, dass sie möglichst realitätsnah sind oder sein könnten.
Dazu beobachte ich meine Umgebung sehr genau:
Was sagen Menschen;
worüber unterhalten sie sich;
wie sagen sie verschiedene Dinge;
wie reagieren sie aufeinander;

WELCHE Beziehungen haben sie zueinander?
welche Eigenarten oder Ticks haben sie?

In einem zweiten Schritt bastele ich aus verschiedenen Menschen der realen Umgebung eine Figur.

Übrigens:

Will ich über eine Firma oder eine Organisation schreiben, gehe ich am besten in die Kantine. Am besten funktioniert das Beobachten von Menschen und der Bezeihungen untereinander in Kantinen von Firmen oder in Restaurants, denn hier lerne ich nicht nur die Leute besser kennen sondern auch deren Beziehungen und die Strukturen in einer Einrichtung.

Die Vorlage für Figuren können übribens auch ganz normale Menschen wie du und ich sein. Es müssen nicht immer Schitzophrene oder Psychopathen sein. Jeder Mensch hat nämlich seinen eigenen Abgrund. Beobachte ihn ganz genau, und du hast die perfekte Vorlage für deine Figur. Besonders gut, finde ich, macht das übrigens die Krimiautorin Ingrid Noll. Ihre Figuren sind Menschen wie du und ich, also ganz gewöhnlich. Auf den ersten Blick haben sie auch keine psychische Störung. Aber sie haben ihren Abgrund, den die Autorin entdeckt und aufgreift.

Also sieh dich doch mal in deiner Schule, Uni, Firma, Umgebung, um!

Dort lauern die Figuren.

Viel Spaß dabei.

Elke Irimia

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